Gotthard Lerchner: Sprache als kulturelles Gedächtnis

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Pieter Bruegel der Ältere: Der Turmbau zu Babel, 1563. Kunsthistorisches Museum Wien

Auszugehen ist von einer geschichtsphilosophischen Traditionslinie, die von der Aufklärung über HERDER bis zu HUMBOLDT führt: Danach ist Kultur die unvermeidliche Folge von Geselligkeit und Sprache, der Mensch kann dieser bildenden oder mißbildenden Kultur nicht entweichen (Herder, Ideen zur Philosophie … 1784–91), sie ist ein universaler Prozeß. Dabei ist nach aufklärerischer Auffassung die Idee der Moral dem Kulturbegriff zugeordnet. Die Menschen entwickeln Sprache auf Grund ihres Lebensbedürfnisses Geselligkeit und konstruieren mit Hilfe von Sprache die historische Welt. Insofern reflektiert jede Muttersprache die (kulturelle) Geschichte der zugehörigen Kommunikationsgemeinschaft. Diese Vorstellung wird in der Weiterentwicklung durch HUMBOLDT verstanden als Zusammenhang zwischen Muttersprache und Weltdeutung (Weltbild) und ist im 19. Jh. entscheidend an der inhaltlichen Prägung des Begriffs der Kulturnation beteiligt. In der Gegenwart kehrt sie – auf unterschiedlichen theoretischen Grundlagen und in heterogenen Traditionsbezügen – in verschiedenen Beschreibungsansätzen wieder, u.a. in Spielarten der Kulturanthropologie, Ethnologie und Völkerkunde, wobei es im Prinzip um die je kulturspezifischen Konzeptualisierungen von Welterfahrung und deren sprachlichen Ausdruck geht. Richtungen der moderneren Kultursemiotik schreiben der kulturellen Überlieferung, die in (ideellen) Mentefakten und (materiellen) Artefakten tradiert wird, generell den Charakter von Zeichen zu, die durch Sprachzeichen repräsentiert und mit Hilfe von (sprachlichen und nichtsprachlichen) Monumenten Bestandteil des kulturellen Gedächtnisses eines Konsoziums sind. Daß damit der Muttersprache, ihrer Überlieferung und deren Aneignung für die Prägung von Wertvorstellungen eine erhebliche Rolle zuzuschreiben ist, liegt auf der Hand.

Termine
„Schwarzer Schatten“, „politisches Gewissen“, „allerbeste Freunde“: Zu den Beziehungen von Werner Heisenberg (1901–1976) und Carl Friedrich von Weizsäcker (1912–2007) 28.02.2025 19:00 - 20:30 — Bibliotheca Albertina, Beethovenstraße 6, 04107 Leipzig (Vortragssaal)
Im Wörtergarten – Der karolingische Hortulus theodiscus an der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig 20.03.2025 14:15 - 15:15 — Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, Karl-Tauchnitz-Straße 1, 04107 Leipzig
Vom ersten Wort – Älteste Überlieferung und neueste Forschung im Althochdeutschen Wörterbuch 20.03.2025 15:45 - 17:30 — Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, Karl-Tauchnitz-Straße 1, 04107 Leipzig
Das magische Buch in der Literatur: Klischee, Realität, Projektionsfläche 20.03.2025 17:30 - 19:30 — Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, Karl-Tauchnitz-Straße 1, 04107 Leipzig
Leipzig liest: Christoph Türcke – Philosophie der Musik 27.03.2025 18:00 - 19:00 — Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, Karl-Tauchnitz-Straße 1, 04107 Leipzig
Leipzig liest: Thomas-Mann-Jahr 2025 – "Teufels Bruder" und "Heimweh im Paradies" 27.03.2025 20:00 - 21:00 — Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, Karl-Tauchnitz-Straße 1, 04107 Leipzig
Leipzig liest: Zuhören. Die Kunst, sich der Welt zu öffnen 28.03.2025 18:00 - 19:00 — Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, Karl-Tauchnitz-Straße 1, 04107 Leipzig
Denkströme

Denkströme IconDas Open Access (Online-)Journal der Sächsischen Akademie der Wissenschaften:

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Diffusion Fundamentals IconInterdisziplinäres Online Journal für Diffusionstheorie in Kooperation mit der Universität Leipzig:
diffusion.uni-leipzig.de

Internationale Konferenzreihe:
saw-leipzig.de/diffusion